Besonderheiten des neuen Evernote-Chats

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Der vor einigen Wochen angekündigte „Work-Chat“ ist ab sofort in praktisch allen Evernote-Varianten integriert: Windows, Mac, Android, iOS und Web Beta. Egal, ob man den kostenlosen Account oder das Premium- bzw. Business-Modell nutzt. Einen grundsätzlichen Überblick findet man im offiziellen deutschen Evernote-Blog, so dass ich hier auf ein paar Besonderheiten eingehen möchte, die nicht sofort auffallen.

Was ist der Vorteil des Work-Chats?

Evernote fungiert aufgrund seiner Vielfalt bei vielen Anwendern als eine Art „Zentral-Archiv“ für Projekte: Das Foto von einer baulichen Veränderung, der Vertragsentwurf für ein Projekt, die Mitschrift einer Besprechung, der Scan einer handschriftlichen Notiz, gespeicherte Webseiten usw. Wenn man in einem Team arbeitet, so kann man zwar diese Materialien z. B. über einen Mail-Versand oder eine Notizbuch-Freigabe zugänglich machen, aber Feedback und Kommentierung erfordern meist getrennte Wege: etwa per Mail-Verkehr oder über ein gesondertes Tool, z. B. einen Messenger. Einfacher und sinnvoller ist es natürlich, wenn die Kommentierung zumindest in der gleichen Anwendung, in der sich auch die Dokumente befinden, passiert. So hat man alles an einem Ort.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Kommunikation plattformübergreifend passiert: Der Mitarbeiter im Büro hat eine Frage zu einem Evernote-Dokument, das er auf seinem Windows-Rechner geöffnet hat, die Frage erreicht den Kollegen, der gerade mit seinem Android-Smartphone auf der Baustelle unterwegs ist oder mit seinem iPad im Zug sitzt. Es muss nicht ständig ein gesondertes Programm im Auge behalten werden, jeder kann mit jedem unabhängig von den Geräten kommunizieren.

Wen kann ich zu einem Chat einladen?

Hier hat Evernote die Aufnahme eines Chats erleichtert: Prinzipiell kann jeder eingeladen werden, sogar, wenn er Evernote bisher noch nicht installiert hat. Wenn man möchte, kann man Personen aus seinen Gmail- (Mac, iOS) oder Outlook-Kontakten (Windows) auswählen (die Kontaktdaten bleiben auf dem Gerät und werden nicht zu Evernote geschickt) oder eine neue Adresse eintragen. Der Empfänger erhält dann per Mail eine Einladung zu diesem „Erst-Chat“ zusammen mit der Bitte, seinen Evernote-Account zu nutzen oder sich einen solchen einzurichten.

In diesem Zusammenhang sieht Evernote eine weitere Neuerung vor [1]: Ein Account kann mit mehreren Mail-Adressen verknüpft werden. Sprich: Wenn ich jemanden einlade, weiß ich ja in der Regel nicht, mit welcher Mail-Adresse derjenige seinen Evernote-Account pflegt. Verwendet man nun für Evernote eigentlich die Adresse aaa@mail.xy und erhält die Einladung an bbb@mail.xy geschickt, so kann man diese zweite Mail-Adresse seinem Evernote-Account hinzufügen und am Chat teilnehmen.

Kann man mehrere Chats führen?

Ja, das geht, allerdings beginnt mit einer neuen Person immer einer neuer „Chat-Strang“, damit diese nicht die bisherige Konversation einsehen kann. Den früheren Chat kann man allerdings mit den vorherigen Teilnehmern weiterführen. Möchte man, dass „alte“ und „neue“ Teilnehmer in einem gemeinsamen Chat versammelt sind, so muss man zum Zeitpunkt der Etablierung des neuen Chat alle gewünschten Kontakte aufführen. [2]

 

Fazit

Evernote kann und will nicht „pure“ Messenger, wie z. B. Whatsapp, Skype usw., mit all ihren Funktionen ersetzen. Nicht ohne Grund heißt die Funktion „Work-Chat“ und konzentriert sich auf die gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten. Für die Projekt- und Teamarbeit ein wirklicher Gewinn, denn der Work-Chat bringt noch einige weitere Funktionen mit sich, die im Alltag hilfreich sind (z. B. die Benachrichtigungsfunktion auf mobilen Geräten, das Einblenden der Profil-„Köpfe“ beim gemeinsamen Bearbeiten einer Notiz usw.). Der Austausch zwischen Web, mobilen Apps und Mac ist auch sehr flott, lediglich Windows benötigt momentan für die Erst-Benachrichtigung noch einen Sync. Die Freigabe einzelner Notizinhalte ist nun ebenfalls sehr einfach geworden, schauen wir mal, was die nächste Zeit noch kommt. [3]

 

[1] Bei dieser Funktion bin ich mir nicht sicher, ob sie momentan schon umgesetzt ist, sollte aber demnächst auf der Profilseite zu finden sein.
[2] Sofern die bereits geführte Konversation wichtig ist, kann man sich vielleicht mit einem Screenshot behelfen.
[3] Die neue Evernote-Scan-App „Scannable“ zeigt sich in der Alpha-Version mit hohen Erkennungsraten von einer sehr guten Seite, wenn in einigen Wochen die fertige Version erscheint, so können noch leichter und schneller Dokumente in Evernote aufgenommen werden.

 

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5 Antworten

  1. Daniel Bendl sagt:

    Ehrlich gesagt kann ich nicht nachvollziehen, dass Evernote jetzt einen Chat einführt. Mag dem einen oder anderen im Hinblick auf kollaboratives Arbeiten gefallen. Mir persönlich sind als intensiven Evernote-Nutzer andere Dinge wichtiger. Wann kommt z.B. endlich die Funktion des gemeinsamen Arbeitens an Notizen so wie ich es in Google Docs auch tun kann? Das wäre ein richtiger Fortschritt.

    • Redakteur sagt:

      Evernote hat die Interaktionszeiten bei der aktuellen Mac-Version nochmals um den Faktor 3 beschleunigt, bei Mac können auch ohne Sync Notizen geteilt werden usw. Wird sicher noch in Windows kommen. Dennoch: Evernote hat eine völlig andere Historie. Es wurde als Desktop-Tool entwickelt und hat in der Software seine Stärken. Google Docs ist eine Web-Anwendung, die nicht diese Art von Sync benötigt. (Wenn Du Evernote-Web-Beta nutzt und dort schreibst, dann ist es z. B. fast unmittelbar in der iOS-App zu sehen.) Ob Evernote da je gleichziehen kann, weiß ich nicht – wie gesagt, andere Architektur, jeder Ansatz hat seine Vor- und Nachteile.

  2. Daniel Bendl sagt:

    Die Architekturuntschiede sind mir schon bewusst. Jedoch setzt Evernote beispielsweise mit Business noch mehr auf die kollaborative Zusammenarbeit. Sie versetzen sich dadurch automatisch in die Lage, dass Nutzer von ihnen so etwas erwarten. Und technisch gesehen ist es machbar. Die Frage ist: Wie sieht Evernotes Strategie aus.

    • Redakteur sagt:

      Da stimme ich Dir zu. Mir persönlich wäre auch einiges dringender gewesen: z. B. eine Form von Kommentarfunktion zu einzelnen Notizen

      • Daniel Bendl sagt:

        Ja, die Kommentarfunktion genau wie bei Google Docs. Dann könnte man Texte im Team viel besser bearbeiten und zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen.

        (BTW: Die Uhrzeit deines Blogs ist eine Stunde vorn dran. Ist mir heute erst aufgefallen obwohl ich hier immer mitlese)

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