Deutscher Dokumentensafe – jenseits von NSA und Prism

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dokumentensafe

kostenlos und sicher

In etlichen Beiträgen bin ich ja bereits darauf eingegangen, dass sich Evernote wohltuend von „Sozialen Netzwerken“ wie z. B. Facebook abhebt – das Recht an den eigenen Daten wird garantiert, in Zürich hat man eine 100-prozentige Tochter gegründet, um sich an den in Europa gültigen Datenschutzrichtlinien zu orientieren, es werden keine Verknüpfungen zwischen Konten hergestellt usw. usw. Dazu die zweistufigen Sicherheitsvorkehrungen, die vor einigen Wochen eingerichtet wurden. Dennoch: Angesichts der aktuellen Vorfälle mit dem US-Überwachungsprogramm „Prism“ fühlt man sich sicherer, wenn man zumindest für sensible Daten einen Server in Deutschland nutzen kann. Wenn der Online-Speicherplatz dazu noch nicht-kommerzieller Natur, kostenlos und gut verschlüsselt ist, dann ist er auf jeden Fall einen Blick wert.

Was viele nicht wissen: Baden-Württemberg stellt einen derartigen Speicherplatz zur Verfügung, auch für Interessenten, die nicht in diesem Bundesland wohnen! Okay, man darf jetzt nicht ein Dokumentenmanagement erwarten, wie es Evernote bietet – aber als Ergänzung, um z. B. digitale Versionen seines Reisepasses auch im Ausland griffbereit zu haben, kann dieser Speicherplatz durchaus dienen. „Virtueller Dokumentensafe“ nennt sich das Angebot etwas spröde, und spartanisch ist auch die Darstellung, aber es geht hier ja nicht um einen Design-Wettbewerb. [1] Man kann Ordner erstellen und Dokumente in beliebigen Formaten von der Festplatte einstellen, das war es eigentlich auch schon.

Insgesamt erfährt der Nutzer sehr wenig über den Service. Ich wurde weder über die eigentliche Webseite noch über Google fündig (und das will was heißen 😉 ). Also „service-bw“ angeschrieben, meine Fragen gestellt – und prompt bekam ich sehr sachkundige Antworten von Herrn Frank Schiele, Innenministerium, Referat 51! Hier die Einzelheiten zu dem Dienst:

  1. Kann man den Dokumentensafe auch außerhalb von Baden-Württemberg nutzen? Ja.
  2. In welchem Umfang kann man Daten einstellen? Insgesamt 200 MB, die maximale Größe eines Einzeldokuments 5 MB. Für Scans von Unterlagen sollte das also ausreichend sein.
  3. Erfolgt der Upload über eine gesicherte Verbindung? Der Upload erfolgt per HTTPS.
  4. Wie wird auf dem Server verschlüsselt? Innere Verschlüsselung: AES 256 Bit (in einen PKCS7-Container verpackt).
  5. Welches Verfahren wird für die Passwortsicherheit verwendet? Aus Passwort + Salt wird ein SHA512-Hash gebildet (1000 Iterationen) [PKCS5]

Nun bin ich kein IT-Profi, aber soweit hört sich die Sache für mich schon mal sehr gut an. Man kann übrigens statt der Wahl eines Passworts auch seinen neuen Personalausweis verwenden, aber ob man im Ausland nun gerade Zugang zu einem Lesegerät hat, ist dann wieder eher unwahrscheinlich.

Angedacht ist wohl auch, dass man sich später mal Behördengänge ersparen kann, indem man ein digitalisiertes Dokument zur Einsicht öffnet, aber so weit bin ich jetzt nicht in die Materie eingestiegen. Insgesamt scheint mir der Dokumentensafe im Privatbereich eine recht gute Ergänzung zu Evernote darzustellen – und vielleicht hilft dieser Beitrag ja auch, dass ein paar mehr Bürger innerhalb und außerhalb des „Ländle“ von dem Angebot erfahren.

Jedenfalls kann ich nur nochmals die sehr rasche Antwort mit den exakten Angaben loben, das macht einen wirklich guten Eindruck. [2]

//Edit: Inzwischen habe ich die Erlaubnis erhalten – Herr Frank Schiele, Innenministerium, Referat 51: IT-Koordination, gab mir die Antworten. Erfreulicherweise betont er, dass gerade bei datenschutzrechtlichen Auskünften es wichtig ist, die Quelle zu nennen. Dies ist hiermit geschehen.

 

[1] Nur mal am Rande: Evernote 5 hat gestern bei der Vorstellung des neuen iOS7-Betriebssystems auf der Entwicklerkonferenz von Apple den „Apple Design Award 2013“ erhalten!

[2] Da ich mir nicht sicher bin, ob ich bei einer Behörde den Namen des Auskunftgebenden nennen darf, formuliere ich das mal so neutral.

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6 Antworten

  1. Michel sagt:

    Die Datenschutzfrage ist wichtig für mich, deshalb frage ich mal nach: Was meinen Sie mit „Konten verknüpft…“? Heißt dies, das meine Daten bei Evernote nicht in den USA gespeichert/verknüpft sind? Wobei die Daten bez. US-Reg. somit auch nicht sicher wären, da die Muttergesellschaft mit Sitz in den USA verpflichtet ist die Daten auf Anforderung der US-Regierung heraus zugeben.

  2. Kirsten sagt:

    Toller Tipp! Dankeschön.

  3. Horst sagt:

    Danke!
    Dann lege ich die Ausweis-Scans lieber in den Behördenspeicher. Man weiß ja nie ob Firmen ‚ewig‘ existieren und ob diese nicht irgendwelchen Herausgabe-Abkommen unterlegen sind.
    Praktisch sind auch schon die „Persönliche Daten / Daten pflegen“, die dort hinterlegbaren ‚Personalausweisnummer, Steuernummer, Kontonummer, Kreditkartennummer, Kreditkartenprüfziffer‘ sind im Verlustfall recht nützlich.

  4. lars preussen sagt:

    bei Evernote handelt es sich um eine US-aerikanische Firma. Mir kann niemand erzählen, dass nicht auch diese unter umständen für das US Schnüffel-Regime arbeitet. Immerhin würden User der NSA unter Umständen private vertrauliche Daten freiHaus liefern. Sicherheitsexperten raten ja schon lange, amerianische Provider, Softwarehersteller etc. so gut wie möglich zu meiden, es sei denn man nutzt Anbieterwie Evernote usschliesslich zum Daddln im Netz. Keine US Firma wird eine hinreichende Erklärung abgeben, dass sie keine Daten zum Ausspionieren weietr gibt.

    • Horst sagt:

      Und inzwischen geben sogar eMail-Anbieter und andere Zugangsdienste nicht nur Meta-Daten weiter. Wer dem „Regime“ nicht zuliefern will darf generell nicht das Internet nutzen.

  5. Klara sagt:

    Link fehlt.

    Ich habe ein bisserl suchen müssen. Unter

    http://service-bw.de

    wird man fündig. (Bei den Links – links der letzte Link.)

    Danke für den Beitrag. (Ich habe ihn durch Internetsuche „evernote nsa“ gefunden.)

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