Evernote für Kellergewölbe

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Ja, es gibt sie, die Zeitgenossen, die immer alles an Ort und Stelle haben:
Dort ein Haken für lange Kabel, daneben einer für kurze Kabel, eine
Schublade für Klebeband, einen Karton für Videocassetten bis 1990 usw. usw.
Aber meiner Schätzung nach schaffen das nur 10 % der Bevölkerung – beim Rest
herrschen unterschiedliche Schattierungen von Chaos.
Beherrscht wird dieses Chaos meist durch eine Vielzahl von Kartons,
Plastikkisten, Schubladen, Blechdosen, die sich im Laufe der Jahre in bunter
Reihenfolge in Kellerregalen türmen. Beim Einräumen denken Sie noch: „Ja,
das merke ich mir, hier drin sind alle Verlängerungskabel, dort die Fotos
von meiner Abiturfeier.“ Schon 3 Monate später ist eine zweite
Karton-Schicht entstanden – und nach 3 Jahren gleicht die Suche nach einem
bestimmten Teil, das Sie gerade jetzt ganz dringend benötigen einem
archäologischen Unterfangen.
Wie kann Evernote helfen? Da gibt es verschiedene Stufen – schauen wir uns
die Möglichkeiten einmal näher an (die übrigens auch für Umzugkartons sehr
gut geeignet sind).

1. Fotografisches Gedächtnis
In die Kartons kann man meistens ja nicht hinein sehen. Also einfach einen
Evernote-Foto-Schnappschuss machen, wenn die Kiste gepackt ist, vielleicht
noch ein paar grundlegende Tags wie „Kabel“, „Musik-CDs“ vergeben und ab
damit in das Notizbuch „Keller – hinten“. Eventuell noch ein zweiter
Schnappschuss vom Standort des Kartons, so dass man später gleich zum
richtigen Regal geht.

2. Suchlisten
Lohnt sich nicht unbedingt für jeden Karton, aber bei bestimmten hat man ja
schon den Verdacht, dass man Teile des Inhalts später durchaus einmal wieder
suchen wird. Also einfach eine kleine Inhaltsliste mit Stichwörtern pro
Karton tippen. Wenn man den Free-Account von Evernote nutzt, dann diese
Liste im PDF-Format abschicken, beim Premiumaccount kann man das Word-,
Excel-Format verwenden. Der Vorteil solcher Listen: a) Man kann sie später
ergänzen, wenn man Dinge aus dem Karton entfernt oder neue hinzu fügt und b)
Evernote nimmt die Begriffe in seinen Suchindex auf, so dass man bei dem
Suchwort „Verlängerungskabel“ auf das Hauptnotizbuch „Keller“ mit dem
Unternotizbuch „Karton Kabel“ stößt. In diesem Unternotizbuch finden sich
dann zusätzlich die unter 1. erwähnten Fotos vom Aussehen und Standort der
Kiste.

3. Scan den Karton
Und jetzt noch ein Tipp, der sich erst mal anhört, als müsse man ein totaler
Computerfreak sein, um so was gut zu finden. In Wirklichkeit ist die
Handhabung derart einfach, dass auch ein absoluter Neuling die Sache in 2
Minuten beherrscht. Dazu kommt noch eine Besonderheit, die kein anderes
Ordnungssystem erfüllen kann: Sie brauchen Ihr Smartphone nämlich nur in die
Nähe eines Kartons zu halten – und schwupp sehen Sie den Inhalt. Unschätzbar
bei Bergen von Gerümpel oder unzugänglichen Stellen!
Okay, wie funktioniert die Sache nun:
a) Sie legen sich wie unter 1 und 2 beschrieben Notizbücher für die Inhalte
der Kisten an, also Fotos oder Listen.
b) Sie merken sich den Link des betreffenden Notizbuches einer Kiste:
einfach das Notizbuch anklicken und aus der Adresszeile des Browsers die URL
kopieren.
c) Mit diesem Link erzeugen Sie einen sogenannten „QR-Code“, den Sie von
Briefumschlägen, Fahrkarten usw. her kennen. Dafür gibt es viele
Web-Angebote, ich empfehle hier http://qrcode.kaywa.com/ . Einfach den Link
reinkopieren und abschicken – eine Sekunde später erscheint das quadratische
Muster. Lassen Sie ruhig die Größe „L“ für „large“ eingestellt, das bietet
einen Vorteil, auf den wir gleich noch zu sprechen kommen.
d) Code ausdrucken und ausschneiden – das muss weder hübsch noch genau sein.
Auch ist es egal, ob sie den Papierschnipsel mit Tesafilm oder Uhu oder was
auch immer am Karton befestigen. Sie können ihn auch mehrfach ausdrucken und
auf verschiedene Seiten der Kiste kleben, falls Sie diese später einmal
verrücken müssen.
e) Abschließend spielen Sie noch eine App auf Ihr Smartphone auf, die
QR-Code lesen kann. Für jedes Smartphone gibt es diese Apps kostenlos – ich
empfehle für das iPhone „Barcoo“ [1].
So, wenn Sie später mit dem Smartphone durch den Keller schlendern und
dieses auf eine Kiste richten, wird Ihnen sofort [2] der Inhalt angezeigt:
Der QR-Link öffnet das jeweilige Evernote-Notizbuch mit Fotos,
Inhaltsbeschreibungen usw. Vor allem: die Listen sind immer aktuell, ohne
dass Sie den Code verändern müssten. Denn alle Änderungen nehmen Sie ja
direkt in der Evernote-Awendung vor. Bei meinen Tests hat sich gezeigt, dass
die App den Code in 50 cm Abstand erkennt – wenn man den ausgestreckten Arm
dazu rechnet, müssen Sie sich dem Fund also nur bis auf 1 Meter nähern.

Die Sache mit der Code-Erzeugung klingt zwar ein wenig aufwändiger, kostet
aber eigentlich nur 1 – 2 Minuten und ist ja für jede Kiste ein einmaliger
Aufwand. Diese aufgewendete Zeit sollten Sie bereits nach einem abgekürzten
Suchvorgang schon wieder eingespart haben. Zumindest bei umfangreichen
Kellergewölben ist so was sicher eine Überlegung wert.

[1] Link für die Barcoo-App:
http://itunes.apple.com/de/app/barcoo/id339525465?mt=8
[2] Vor dem ersten Code-Ablesen müssen Sie sich 1 x in Evernote anmelden,
damit die Links zu den Notizbüchern erkannt werden.

 

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4 Antworten

  1. Thorsten sagt:

    Ein bischen schraeg ist das ja schon… aber wenn ich mir meinen Keller dagegen angucke waere das schon was fuer mich 😉

  2. Eva sagt:

    Variante 3 – funktioniert einwandfrei und ist total cool! Stecke gerade in Mega-Aufräumaktionen und finde den Tipp SEHR hilfreich. Danke 🙂

  3. André sagt:

    Klasse Idee mit dem QR-Code… vielen Dank 😉

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