Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten – 3. März 2016

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Vitaminbar, Entspannungsübungen, Ruheräume (Uni Ulm)

Auch in Deutschland beteiligen sich etliche Universitäten am 3. März 2016 an der internationalen „Long Night Against Procrastination“: Meist öffnen die Hochschulbibliotheken bereits am Nachmittag ihre Pforten mit einem speziellen Programm, das bis Mitternacht geht. Oder, wie bei „meiner“ Uni Ulm, bis 2:00 Uhr morgens. Neben Kinderbetreuung, Entspannungsübungen, Vitamin- und Espressobar, Nacken- und Schultermassagen gibt es persönliche Beratungsangebote und jede Menge Mini-Workshops zu Themen wie „Schreibblockaden überwinden“, „Zeitmanagement“ und „Literaturrecherche“.[1] Dieses ARD-Video zeigt, wie solche Nächte ablaufen.

Diese Veranstaltungen kommen bei den Studierenden ausgesprochen gut an – denn fast jeder kann einen kleinen Schubs auf diesem Gebiet vertragen. Ob es nur um die einfache Seminararbeit, den Beginn der Bachelor-Arbeit oder die „ewige“ Dissertation geht – hier konzentriert man sich auf sein Schreibprojekt und mit etwas Glück „platzt der Knoten“.

Nein, ich werde jetzt kein „System“ vorstellen, das verspricht, mit ein paar Evernote-Schlagwörtern und -Notizbüchern innere Blockaden zu überwinden. Solche Blockaden haben ganz andere Ursachen und wären ein Thema für sich. Aber zur Vorbereitung eines solchen „abgeschotteten Unterfangens“ eignet sich Evernote sehr gut.

Ziele für die Nacht
Nun kann man natürlich einfach an der Vitaminbar um 17:00 Uhr starten und hoffen, dass man eine Eingebung erhält. Oder man denkt, dass man in diesen Stunden die ersten 200 Seiten runterschreiben wird. Dann kann man sich – fast – den Weg sparen. Ein kleines – und realistisches! – Ziel sollte man schon mit dem Abend verbinden.

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Genau!

Ein Vorhaben könnte etwa sein, Ordnung und Struktur in seine Vorarbeiten zu bringen. Im einfachsten Fall sammelt man die Tage zuvor mit Web Clipper und Scanner-App in Evernote alle Unterlagen, die man beim Startschuss „zur Hand“ haben möchte: Vorlesungsskripte, Inhalte von Webseiten, PDF-Dokumente, erste Entwürfe, Gesprächsnotizen, die man bei Besprechungen mit Dozenten angelegt hatte, Checklisten der formalen Kriterien, Literaturlisten, Termine, Mindmaps, Fotos von Post-it-Zetteln oder Whiteboards usw. Erfahrungsgemäß kostet das pure Sammeln nicht besonders viel Überwindung, das Sichten, Lesen und Verarbeiten erzeugt eher die erwähnten Blockaden.

Wenn man in der „langen Nacht“ erreicht, dieses Material zu ordnen und zu strukturieren, so hat man mehr geschafft, als man auf den ersten Blick denkt. Man kann danach für viele Bereiche den Arbeitsaufwand deutlich exakter abschätzen, als dies zuvor der Fall war. Solange man nur verschwommen „digitale Berge“ von Materialien vor Augen hat, erlahmt die Motivation für den Beginn. Hat man Materialien gelöscht, nach Wichtigkeit sortiert, Kapiteln zugeordnet, evtl. mit Anmerkungen und Markierungen versehen (z. B. „Was noch zu tun ist.“), so hat man eine klare Vorstellung vom künftigen Arbeitsaufwand.

Vielleicht sind diese Vorarbeiten aber bereits erledigt, Sie haben schon einige Kapitel geschrieben oder zumindest begonnen? Jetzt „stecken“ Sie fest? Auch in diesem Fall kann Evernote sehr hilfreich sein: Wahrscheinlich haben Sie ohnehin Ihre Notizbücher (oder Notizbuchstapel oder Schlagwörter) entlang der vorgesehenen Gliederung benannt und aufgebaut? Dann gehen Sie die Kapitel durch und markieren Sie jene, die Sie an diesem Abend wirklich „weiterschreiben“ möchten. Suchen Sie sich dazu nicht die umfangreichsten und schwersten Abschnitte raus. Sie wollen den Abend ja mit einem Erfolgserlebnis beschließen, das Ihnen Schwung für die nächsten Tage gibt. Ziele und Vorhaben sollten also „bewältigbar“ sein.

Übrigens können Sie auf verschiedene Weise in Evernote auch sehr leicht die Reihenfolge von Kapiteln anpassen: Wenn Sie die entsprechenden Notizbücher in die Favoritenleiste aufnehmen, so können Sie beispielsweise einfach via Drag and Drop Abschnitte nach oben oder unten ziehen. Oder Sie „portionieren“ große Kapitel in mehrere Einzelnotizen mit Schlagwörtern. Das hat den Vorteil, dass Sie erst später entscheiden müssen, wo diese Textstelle endgültig ihren Platz findet. Hierzu ein Beispiel:

Sie erläutern Studienergebnisse zum Thema „Smartphone-Nutzung bei Jugendlichen“ und vergeben die Schlagwörter „Einleitung“, „gesellschaftliche Änderungen“, „Bildungssystem“. Wenn Sie mit einer starren Textverarbeitung wie z. B. Word arbeiten, so müssten Sie sofort entscheiden, in welchem Kapitel Sie den Text aufnehmen – er wäre dann „aus den Augen“. Im Fall von Evernote tippen Sie einfach den Gedankengang. Fertig. Sitzen Sie später an der Einleitung, so bekommen Sie jene Notiz angezeigt mit dem Suchbefehl „tag:Einleitung“. Passt der Abschnitt? Dann zwei kleine Lösch-Klicks auf die anderen Schlagwörter ausführen. Passt der Text doch nicht, so wird das Schlagwort „Einleitung“ gelöscht, aber der Abschnitt ist nicht verloren. Sobald Sie an den anderen Kapiteln sind, können Sie erneut eine Entscheidung treffen.

Dies waren nun nur einige kurze Anregungen, wie Sie die „lange Nacht“ mit Evernote planen können – wenn Sie mit dem Programm vertraut sind, werden Ihnen noch viele andere Ideen kommen. So oder so: Glück auf!

 

[1] Bei der Uni Koblenz, die allerdings bereits um 23:45 Uhr die lange Nacht beendet, gibt es sogar eine „Gute-Nacht-Geschichte“ zum Abschluss! Vitaminbar, Nackenmassagen und Gute-Nacht-Geschichten – ich hab‘ definitiv in einem zu frühen Jahrhundert studiert 😉

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