Unterwegs mit Evernote, Teil 1 (Android, iOS)

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Blick auf Ulm: Eine Tastatur – leicht wie eine Feder …

Ein Reisetagebuch auf der Wanderung, Eindrücke im Straßencafé am Urlaubsort oder der Entwurf eines Krimis auf der Terrasse im Sonnenuntergang – Evernote ist auch außerhalb des Arbeitszimmers auf den mobilen Geräten stets zur Hand. Allerdings: Die Eingabe längerer Texte ist noch immer problematisch. Die einblendbaren Tastaturen sind für einige Sätze okay, aber sie erlauben keine hohen Geschwindigkeiten und man muss die ganze Zeit auf das Display schauen. Spracherkennung funktioniert für kurze Abschnitte recht gut, aber bei weniger gebräuchlichen Begriffen erscheinen da oft eigenwillige Interpretationen (abgesehen davon, dass man in der Öffentlichkeit ungern diktiert).

Bleiben noch externe Tastaturen. Viele ausprobiert im Laufe der letzten Jahre. Keine konnte richtig überzeugen. Wenn das Tastaturlayout dem Standard entsprach, so dass man mit zehn Fingern schreiben konnte, war die Tastatur zu groß oder zu schwer für die Reise. Bei kleineren Varianten, z. B. Tablet-Deckel-Keyboards, blieb die Sache schwer und zusätzlich waren immer ein paar Tasten anders angeordnet, so dass man nicht flüssig „blind“ schreiben konnte. Der Griff zu leichten Folien-Tastaturen brachte auch nichts, ein Gefühl wie „Schreiben auf der Tischplatte“, kein Druckpunkt, langsame Geschwindigkeiten.

Endlich bin ich fündig geworden: Eine ultradünne und ultraleichte Tastatur, mechanische Tasten mit Hub, Standard-Layout, das flüssiges Blindschreiben ermöglicht (obwohl es nur die Breite eines iPads hat), USB-Aufladung für 2 bis 3 Monate Nutzung (1 Minute aufladen = 2 Stunden Betrieb) – und mit Preisen um die 40,- Euro erschwinglich. Dazu Sondertasten für Android/Windows bzw. iOS/Mac, eine Aufsteck-Halterung für Smartphones und flüssigkeitsabweisend – „Logitech Keys-To-Go“ nennt sich das Teil.

Ich gebe zu: Ich hätte die Tastatur nicht bestellt, wenn nicht Sebastian vom Blog „Journalisten-Tools“ eine Empfehlung ausgesprochen hätte.

Mein persönlicher Eindruck

Mobilität
Wirklich leicht (180 gr) und dünn (6 mm) – keine Frage. Man denkt, man hätte ein Stück stärkere Pappe in der Hand. Hier stimmt der Werbe-Clip von Logitech tatsächlich: Ob in einer Spalte im Koffer oder neben der Thermoskanne im Rucksack – das Gewicht wird man nicht spüren.

Verarbeitung und „Feeling“
Ist in Ordnung. Der „FabricSkin“ Überzug scheint mir unempfindlich zu sein, auch „schwitzige“ Hände stellen kein Problem dar. Ich vermute mal, dass auch eine kleine Biegung im Gepäck und die kofferübliche Druck-Belastung verkraftet wird, aber dazu kann ich keine verlässliche Aussage treffen.

Schreibgeschwindigkeit
Wie gesagt: Der „Druckpunkt“ ist deutlich spürbar, wirkt wie eine kleine Feder. Dass die geringe Höhe das zulässt, hätte ich nicht vermutet. Durch die geringe Breite (24 cm) hat man anfangs schon das Gefühl, etwas „enger“ zu schreiben. Aber da das Layout 1:1 dem der großen Brüder entspricht, gewöhnt man sich rasch daran. Gefühlt schreibe ich damit nur einen „Tick“ langsamer.
Für das Blindschreiben sind meist die „Großschreib-Tasten“ bei kleinen Tastaturen ein Knackpunkt – hier manipulieren die Hersteller oft bei Größe oder Lage, damit alle Tasten „passen“. Ja, auch bei dieser Tastatur gibt es einen kleinen Abstrich – die linke Shift-Taste liegt einige Millimeter zu weit außen (oder ist „zu kurz“). Allerdings hat Logitech zu einem Trick gegriffen, den noch nicht einmal die 140,- Euro teure iPad-Pro-Tastatur beherrscht: Die Taste davor wurde verkleinert.

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wichtige „Verkleinerung“

Noch besser hätte ich gefunden, wenn man „< >“ ganz entfernt und dafür die Shift-Taste verbreitert hätte (andererseits würde ich dann das Markdown-Zeichen für Einrückungen vermissen).

Smartphone-Halterung
Hatte ich zunächst für eine „Billig-Dreingabe“ gehalten, damit der Hersteller auf die Verpackung schreiben kann „plus Halterung“. Mein iPad hat ja das übliche Smart-Cover und kann damit alleine stehen. Aber tatsächlich funktioniert die Sache mit dem Smartphone erstaunlich gut – sollte man auf jeden Fall mal ausprobieren.

Zusammenarbeit mit Evernote
Die pure Texterfassung erfolgt natürlich wie mit jedem anderen Keyboard. Allerdings sind die Sondertasten hier recht nützlich: Unter Android z. B. die systemweite Suche, auf dem iPad das Einblenden der Evernote-Sondertasten (hier werden übrigens unterschiedliche Shortcuts angezeigt – je nachdem, an welcher Stelle man sich in Evernote befindet):

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Tastenkürzel auf dem iPad

Fazit
Eigentlich habe ich wenig auszusetzen: linke Shift-Taste und gelegentlich nicht genügend rasche Bluetooth-Koppelung, damit hat es sich schon. Wenn Gewicht und Größe ein wichtiger Faktor sind, dann ist dieses Keyboard auf jeden Fall empfehlenswert.

Aber auch ganz ohne Tastatur kann man unterwegs viel mit Evernote erledigen – dazu mehr in Teil 2.

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5 Antworten

  1. Birgit sagt:

    Die absolut perfekte Tastatur hab ich in der Tat auch noch nicht gefunden. Dein Beispiel sieht ganz okay aus, gerade was Gewicht und Dicke angeht, aber irgendwie scheint es mir doch auch recht groß von den Abmessungen her zum Verstauen. Stichwort: Handtasche – dafür ist sie mir dann doch irgendwie zu groß.
    Momentan hab ich das Microsoft Wedge Keyboard (https://www.amazon.de/Microsoft-Wedge-Mobile-Keyboard-Tastatur/dp/B009JSQOC2), kein Leichtgewicht, aber absolut top und robust verarbeitet.
    Aber auch hier ist sie mir mit 29 x 14 cm immernoch zu schwer und zu groß.
    Ich liebäugle ja mit einer faltbaren Bluetooth-Tastatur. Irgendwo muss man da wohl immer Abstriche machen: entweder im Schreibkomfort oder in Gewicht/Größe.

    Was Evernote angeht – ich hab mein Android-Smartphone incl. dem Android-Tablet auf die „Google Tastatur“ umgestellt. Die Spracheingabe von Google ist derart überraschend gut, hätte ich nicht gedacht. Ich diktiere absatzweise meine Texte über die „Mikrofon-Funktion“ der Google-Tastatur (nicht des Gerätes) direkt in Evernote rein. Man muss fast keine Fehler korrigieren – bin da absolut positiv überrascht. Klar, im Café wirkt das dann wohl schon befremdlich, wenn man da das Diktieren anfängt 😉 … aber wenn man abseits irgendwo draußen sitzt, oder im Park, Strand usw. … ich find’s genial … und so schnell tippe ich nicht mal als geübter Tipper wie mir die Google Tastatur-App meine Texte „einspricht“ 🙂

  2. Herbert sagt:

    Ja, die Spracherkennungen von Google und iOS sind vergleichbar gut, auch ich bin davon immer wieder überrascht und setze das für kurze Texte gerne ein (z. B. WhatsApp-Nachrichten). Für längere Texte sehe ich gegenüber der Tastatureingabe zwei Nachteile:
    1. Die Spracherkennung erkennt nur teilweise wirklich die Sprache. Der Hauptteil arbeitet mit statistischen Wahrscheinlichkeiten – es wird eingesetzt, wass „in der Regel“ Sinn ergibt – daher ändern sich die Begriffe ja nachträglich noch, je weiter Du diktierst. Der Unterschied: Beim Tippen entstehen „Tippfehler“, die harmlos sind. Bei der Texterkennung entstehen eher „Sinnfehler“, die eine ganz andere Bedeutung ergeben können – man muss also mit dem Auge verfolgen, ob alles richtig erkannt wird und sich deutlich stärker auf den Text konzentrieren.
    2. Wichtiger ist mir aber, dass das Tippen eine „mechanische“ Tätigkeit ist, die mich nicht ablenkt und kaum Konzentration erfordert. Ich muss ja weder auf die Tastatur noch auf den Bildschirm schauen und „spinne den Faden“ während des Schreibens gedanklich weiter, während die vorherigen Sätze noch getippt werden. Ein wenig wie Autofahren: Ich kann mich mit dem Beifahrer unterhalten, die Agenda der Besprechung im Kopf durchgehen oder Nachrichten hören. Wenn ich statt zu schalten und zu lenken mit dem Auto reden würde „Lenkrad 45 Grad nach rechts“, „von Gang 4 auf Gang 3“ würde ich vielleicht in der gleichen Zeit das Ziel erreichen, aber ich hätte während des Fahrens nicht den Kopf frei.
    Die Technik wird ja schon seit über 10 Jahren in Büros eingesetzt – mit der gleichen Erkennungsqualität (nachdem Nuance – Dragon Dictation & Co. – von der akustischen Erkennung und dem „Training“ ab ca. 2005 darauf kamen, statistische Wörter-Datenbanken einzusetzen). Allerdings fast ausschließlich in standardisierten Zusammenhängen = Medizin, Anwaltskanzleien. In anderen Bereichen – Autoren, wissenschaftliche Texte, Journalisten (ja, noch nicht einmal bei Bloggern, obwohl WordPress eine App hat, mit der man das auf dem iPhone machen könnte) – scheint es sich nicht durchzusetzen. Kann sich natürlich in den nächsten Jahren ändern.
    Etwas anderes ist es, wenn keine Tastatur zur Hand ist – dann hat auch für mich die Spracherkennung deutliche Vorteile gegenüber den „eingebauten“ Tastaturen.
    Wie auch immer – wichtig ist, dass man sein eigenes System findet, mit dem man gut leben kann 🙂

  3. Micha sagt:

    @Birgit Die Google-Tastatur hat ein Mikrophon?
    Ich nutze auch die Tastatur auf iPhone/iPad, habe aber kein Mikro!

    Welche meinst du denn, oder habe ich da was falsch verstanden?

  4. Lars Wuckel sagt:

    Hat jemand das „Microsoft Universal Foldable Keyboard“ schon getestet?
    https://goo.gl/4coJN0

    Sieht schön klein aus.

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