Vergilbte Bücher in E-Books verwandeln (iOS)

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kinderleichte Konvertierung

Heute erledigen alle üblichen Scanner-Apps – z. B. Scannable oder Scanbot – ihren Job sehr gut: Briefe, Dokumente, Tafelskizzen – alles wird kontrastreich erfasst, Ränder werden automatisch beschnitten, perspektivische Verzerrungen korrigiert. Möchte man hingegen Bücher digitalisieren, so wird es für die meisten Anwendungen kompliziert.

Das Problem

In den meisten Fällen kann man/möchte man ein Buch ja nicht „platt“ drücken – die Klebebindung löst sich, bei alten Exemplaren lösen sich vielleicht die Seiten, eventuell hat man das Buch auch nur entliehen usw. Sprich: Wölbung und Schatten müssen in der Mitte korrigiert werden, Schärfentiefe muss eingerechnet werden, zusätzliche Verzerrungen entstehen durch die Handhaltung (die untere Seitenhälfte kann man etwa mit der einen Hand halten, den oberen Rand hingegen nicht, da man das Smartphone in der anderen Hand hat) usw.

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„Problemstellen“ beim Buch-Scan

Mit viel Fummelei erreicht man eventuell Ergebnisse, die im Sinne eines „besseren Fotos“ genügen, wenn es nur um ein paar Seiten geht. Sobald man allerdings zusätzlich die Texterkennungsfunktion z. B. bei der App Scanbot einschaltet, ist das Chaos perfekt: Eine heitere Mischung aus Sonderzeichen wechseln sich ab mit erkannten Begriffen, Punkten, Strichen und Lücken. Verstärkt wird das Problem, wenn die OCR-App keinen Fließtext mit korrekter Trennung bastelt, sondern den Zeilenumbruch beibehält – damit hat man plötzlich in der Evernote-Notiz oder in Word eine lange Textspalte, mit der man nicht gar so viel anfangen kann.

Die Lösung

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gute Rand-Korrektur

Seit einigen Tagen gibt es bei der Scanner-App „FineScanner Pro“, die schon länger im App-Store erhältlich ist, eine neue Funktion: den sog. „Buch-Scan“. Abby vergleicht diesen Modus mit einem Flachbettscanner, auf dessen Glasplatte man ein aufgeschlagenes Buch legt. Dazu muss man lediglich das iPhone über eine Doppelseite halten, entlang einer Linie ungefähr die Buchmitte treffen, auslösen, umblättern, auslösen, umblättern usw. Ein sehr einfaches Vorgehen. Allerdings muss man sich anschließend etwas gedulden. Da umfangreichere Berechnungen und Korrekturen als üblich vorgenommen werden, erledigt dies Abby auf seinen leistungsstarken Servern, eine Internetverbindung muss also bestehen. In der App tauchen nach einiger Zeit die bereinigten Ergebnisse auf (Doppelseiten werden in Einzelseiten zerlegt), die tatsächlich ordentliche Scans liefern.

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E-Book-Format wählen

Man könnte nun das Dokument einfach in verschiedenen Formaten speichern, z. B. als PDF. Oder in Word bearbeiten. Richtig interessant finde ich persönlich aber die Möglichkeit, direkt ein lesefreundliches E-Book zu erzeugen. Abby stellt dafür das EPUB-Format zur Verfügung, das in allen gängigen Smartphone-Apps und auf E-Book-Readern wie z. B. dem Tolino gelesen werden können. Sofern man die kostenlose Software Calibre benutzt, kann man die Datei auch im Kindle-Format auf sein Gerät übertragen (siehe Abbildung in diesem Artikel). Dazu muss man lediglich den Punkt auswählen „Als EPUB öffnen“ [1]. Zwar durchlaufen die Ergebnisse damit einen zweiten Abby-Server-Durchgang – allerdings erhält man dafür eine hervorragende Erkennungsrate, Fließtext-Umwandlung usw. Mit anderen Worten: Das Ergebnis ist derart gut, dass man es kaum von einem regulären E-Book unterscheiden kann. Und das, ohne dass man sich mit Technik und Formaten auskennen müsste. Das fertige Buch kann man schließlich auf Smartphone, Tablet und E-Reader lesen – oder die Datei an Freunde versenden (Rechtslage beachten).

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E-Reader Marvin

Kosten und Fazit

Die erwähnten Zusatzfunktionen gibt es nur in der Pro-Variante, die – momentan – mit knapp 20,- Euro im Jahr kein Schnäppchen ist. Allerdings: Wenn man den „Get Trial“ Menüpunkt auf der Website von FineScanner (rechts oben) klickt, so kann man erst mal einen vollen Monat die Pro-Version testen und schauen, ob man das Geld investieren möchte.
Ich selbst habe aus meiner Studienzeit noch manches vergilbte und gebeutelte Papierbüchlein im Regal stehen [2], das schon lange nicht mehr aufgelegt wird, dessen Inhalt aber nach wie vor lesenswert ist. Warum nicht die ruhigen Feiertage nutzen und solche Exemplare digital archivieren, um sie noch einmal im stimmungsvollen Kerzenlicht auf dem beleuchteten E-Reader zu lesen (vielleicht auch eine „Geschenk-Buch-Idee“, die mit besonderen Erinnerungen verbunden ist?)? Auch wenn die Angelegenheit nicht ganz so flott [3] wie im Werbevideo passiert – im privaten Bereich wird man ja nur gelegentlich derartige Scan-Vorhaben umsetzen.

//Nachtrag: Yeda hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Funktion auch ohne Abo klappt, sofern man gleich die Pro-Version (einmalig knapp 10 Euro) nimmt. Danke!

 

[1] Momentan werden im Share-Menü von Abby FineScanner nicht die installierten E-Reader-Apps wie etwa Marvin angezeigt. Dafür Evernote. Wenn man also anschließend die Evernote-Notiz mit dem EPUB-Anhang öffnet, dann werden auch alles Lese-Apps angezeigt.

[2] Für die Beispielfotos in diesem Artikel musste ein solches Taschenbuch von 1987 Pate stehen: „Double Feature“ des damaligen Hamburger Autoren-Duos Astrid und Bernt Schumacher, A. B. S. – sehr pfiffig geschrieben, aber schon lange vergriffen.

[3] Damit ist die Übertragungszeit zu den Abby-Scannern gemeint. In puncto Erkennungsrate gehört Abby hingegen auch im Desktop-Bereich zu den Marktführeren, an unserem Uni-Institut lassen wir seit Jahren alle Scans via Abby FineReader in durchsuchbare PDF-Ausgaben umwandeln.

 

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3 Antworten

  1. Marko sagt:

    In den letzten Monaten war die Pro-Version immer mal wieder für einen Tag für nur 1,99 zu haben. Wer sich benachrichtigen lassen möchte – dafür gibt es Dienste im Netz, z.B. http://appshopper.com/business/fine-scanner-pro

  2. Birgit sagt:

    … und keine Alternative für uns arme Windows/Android-User?

    • Herbert sagt:

      Zu Android kann ich leider nichts sagen. Unter Windows könnte man mehr Glück haben, denn Abby sagt ja auf seiner Webseite, dass die gleiche Funktionalität in einzelnen Scanner-Anwendungen vorhanden wäre, die sich auf Abby stützen.

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